Bewerbung Schweiz
06.11.2026

Arbeitszeugnis Schweiz: So prüfst du es richtig

Kurz zusammengefasst

Kläre zuerst, ob du ein Vollzeugnis oder eine Arbeitsbestätigung hast. Vergleiche danach Zeiträume, Funktionen und Aufgaben mit deinen Unterlagen. Wenn etwas fehlt oder unklar ist, halte es konkret fest und sprich es beim Arbeitgeber an.

Zwei Frauen sitzen sich bei einem Gespräch an einem Tisch gegenüber, eine hält Unterlagen in der Hand

Mit der folgenden Checkliste prüfst du dein Arbeitszeugnis Schritt für Schritt. Wenn du einen Fehler oder eine unklare Aussage findest, hilft dir die Vorlage weiter unten, beim Arbeitgeber eine Änderung anzufragen.

1. Welches Zeugnis hast du?

Du kannst jederzeit ein Arbeitszeugnis verlangen. Das regelt Artikel 330a des Obligationenrechts (OR). Dabei gibt es zwei Arten:

InhaltVollzeugnisArbeitsbestätigung
Art und Dauer der AnstellungJaJa
Beurteilung von Leistung und VerhaltenJaNein

Wenn du ein Arbeitszeugnis verlangst, ist grundsätzlich ein Vollzeugnis gemeint. Eine Arbeitsbestätigung erhältst du auf deinen ausdrücklichen Wunsch. Dass darin Leistung und Verhalten nicht bewertet werden, ist kein Fehler.

Gut zu wissen: Während der Anstellung kannst du ein Zwischenzeugnis verlangen, zum Ende ein Schlusszeugnis. Der Zeugnisanspruch verjährt grundsätzlich zehn Jahre nach Ende des Arbeitsverhältnisses.

2. Die 5-Punkte-Checkliste

Lege das Zeugnis neben deinen Arbeitsvertrag und weitere Unterlagen, etwa eine Stellenbeschreibung oder ein früheres Zwischenzeugnis. Prüfe diese fünf Punkte:

  1. Person und Arbeitgeber: Stimmen die Namen?
  2. Zeiträume: Stimmen Beginn, gegebenenfalls Ende und die Zeiträume deiner Funktionen?
  3. Aufgaben: Sind deine wichtigsten Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten richtig beschrieben?
  4. Beurteilung: Werden Leistung und Verhalten bewertet? Dieser Punkt gilt nur für das Vollzeugnis.
  5. Formales: Sind Ausstellungsdatum und Unterschrift vorhanden, und ist das Dokument gut lesbar?

Unterscheide dabei zwischen überprüfbaren Fehlern und Bewertungen: Ein falsches Eintrittsdatum lässt sich mit dem Vertrag abgleichen. Wenn du eine Bewertung anders siehst, helfen konkrete Beispiele aus deiner Arbeit, deine Sicht zu erklären.

3. Beurteilung richtig lesen

Ein Arbeitszeugnis muss wahrheitsgetreu und wohlwollend formuliert sein. Die Wahrheit hat dabei Vorrang. Zweideutige Formulierungen und versteckte negative Botschaften durch Zeugniscodes sind unzulässig.

So gehst du beim Lesen vor:

  • Lies die Bewertung zusammen mit den beschriebenen Aufgaben.
  • Verlasse dich nicht allein auf «Notentabellen» aus dem Internet.
  • Frage bei einer unklaren Aussage nach, was sie konkret bedeuten soll.
  • Achte auch darauf, ob wichtige Aufgaben oder Beurteilungen fehlen, statt nur einzelne Adjektive zu vergleichen.

Halte bei einer gewünschten Korrektur fest, was aus deiner Sicht unzutreffend oder unvollständig ist. Das macht deine Anfrage konkreter als der blosse Wunsch nach einer positiveren Formulierung.

4. Fehler und offene Punkte festhalten

Schreibe für jeden offenen Punkt eine kurze Notiz mit vier Angaben:

  • Textstelle: Was steht da, oder was fehlt?
  • Deine Tätigkeit: Welche Aufgabe oder Funktion hast du in welchem Zeitraum übernommen?
  • Beleg: Welche Unterlage oder welches konkrete Beispiel stützt deine Aussage?
  • Änderungswunsch: Was soll korrigiert, ergänzt oder präzisiert werden?

Beispiel: Im Zeugnis fehlt deine Arbeit in der Auftragskoordination. Notiere den Zeitraum und deine Aufgaben, etwa Bestellungen erfassen und Liefertermine abstimmen. Lege eine passende Stellenbeschreibung bei, falls du eine hast. Beschreibe nur Aufgaben und Verantwortung, die du tatsächlich übernommen hast.

5. Änderung anfragen – mit Vorlage

Sprich einen konkreten Punkt an und bitte um Prüfung. Du kannst diese Vorlage verwenden und die Platzhalter ersetzen:

Guten Tag [Name]

Danke für mein Arbeitszeugnis. Ich möchte den Abschnitt [Textstelle] gern mit Ihnen prüfen. Dort fehlt beziehungsweise ist unklar: [konkreter Punkt].

Im Zeitraum [Zeitraum] habe ich [Aufgabe/Funktion] übernommen. Als Grundlage kann ich [Unterlage/Beispiel] nennen.

Bitte prüfen Sie, wie dieser Punkt ergänzt oder präzisiert werden kann. Gerne bespreche ich die Einzelheiten mit Ihnen.

Freundliche Grüsse
[Name]

Bewahre das Original, deine Anfrage und die Antwort auf. Verändere das ausgestellte Zeugnis nicht selbst. Einen Formulierungsvorschlag kannst du dem Arbeitgeber zur Prüfung schicken.

Wenn ihr euch nicht einigt, hole dir Rat bei einer arbeitsrechtlichen Beratungsstelle.

6. Zeugnisse in der Bewerbung

Prüfe zuerst, welche Nachweise das Stelleninserat verlangt. Wenn es keine Vorgaben gibt, wähle die Zeugnisse aus, die für die Stelle relevant sind.

  • Reiche gut lesbare Kopien oder Scans ein und behalte die Originale.
  • Sortiere die Zeugnisse vom neusten zum ältesten.
  • Prüfe, ob Namen, Funktionen und Daten mit deinem Lebenslauf übereinstimmen.
  • Fehlt ein verlangtes Zeugnis noch, kläre mit der Kontaktperson, ob du es nachreichen kannst.

Referenzen sind persönliche Auskünfte von Menschen, die deine Arbeit kennen. Frage diese Personen vorher um Erlaubnis und gib ihre Kontaktdaten in der Regel erst auf Anfrage weiter.

Mehr zur Auswahl und Reihenfolge deiner Unterlagen findest du im Guide zum Bewerbungsdossier in der Schweiz.

Die rechtlichen Hinweise in diesem Artikel beziehen sich auf privatrechtliche Anstellungen. Bei öffentlich-rechtlichen Stellen können andere Regeln gelten.

Quellen

Stand der fachlichen Prüfung: 6. November 2026.

Häufig gestellte Fragen

Prüfe anhand des Inserats, welche Nachweise deiner bisherigen Beschäftigung verlangt werden. Wenn unklar ist, ob deine vorhandenen deutschen Arbeitszeugnisse dafür genügen, frage bei der Kontaktperson nach. Kläre auch, ob zusätzliche Unterlagen oder Übersetzungen gewünscht sind. Übertrage einzelne Formulierungen nicht ungeprüft in eine vermeintliche Schweizer Notenskala.

Wähle die Zeugnisse nach den Vorgaben im Stelleninserat und ihrer Relevanz für die Zielstelle aus. Werden alle Arbeitszeugnisse verlangt, reiche sie vollständig ein. Fehlt eine Vorgabe, priorisiere die Nachweise, die deine passende Erfahrung belegen. Kläre bei sehr umfangreichen Unterlagen, ob du weitere Zeugnisse bei Bedarf nachreichen kannst.

Bei privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen beschreibt ein Vollzeugnis Art und Dauer der Anstellung sowie Leistung und Verhalten. Eine Arbeitsbestätigung beschränkt sich auf Art und Dauer. Du kannst ausdrücklich eine solche beschränkte Bestätigung verlangen. Prüfe für deine Bewerbung, welches Dokument gewünscht ist; eine Arbeitsbestätigung enthält keine Leistungsbeurteilung.